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Cornelia Prana-Killing

Der erfahrbare Atem - eine nie versiegende Quelle der Entwicklung menschlicher Spiritualität (Teil I)

Bevor ich mit meinen Ausführungen beginne, möchte ich betonen, daß es für mich nicht mehr zu trennen  ist - mein Atem und ein sogenanntes spirituelles Leben. Beachten wir die Wurzel von dem heute leider inzwischen etwas abgenutzten Wort Spiritualität, dann stoßen wir auf den Wortstamm spirare, was soviel wie atmen bedeutet. Ich bin inzwischen zutiefst davon überzeugt: wenn wir in einer erfüllenden Weise atmen, ist auch unser Leben reich an stiller Freude.

Meine Erfahrung mit dem Atem wie Ilse Middendorf ihn lehrt, hat mir vermittelt, daß unser atmender Körper tatsächlich der Tempel des Heiligen Geistes ist, und so langsam erwacht in mir eine Ahnung: was Rudolf Steiner mit dem Satz meinte: "Atmen ist die Vermählung mit dem Kosmos."




Atem, Atman, Ruach
...

Wenn wir einmal unseren Atem bei seiner Wurzel packen wollen, stellen wir fest, daß seine Herkunft zurück reicht bis zu Atman, was in Sanskrit Seele, Atem, Lebenskraft und in der Brahmanischen Philosophie auch Weltseele bedeutet.

"In Indien ist der Atman das individuelle, geistigewige Selbst, das sich am Endziel der geistigen Entwicklung mit Brahma, dem göttlichen Selbst, vereinigt, ursprünglich als Atem gedacht; darüber hinaus entfaltet sich die psychophysische Gesamtheit des Menschen in fünf verschiedenen Atemströmen, die in engem Zusammenhang mit der Kundalini-Schlange stehen." (Herder-Lexikon, "Symbole", S. 19)

Wenden wir uns der althebräischen Welt zu, so begegnet uns das althebräische Wort: Ruach, das soviel meint wie Wind, Hauch, Atem, Geist, Gott. Erlauben wir uns einen Blick in die Bibel. Dort heißt es: "Und Gott blies in seine Nase den Odem des Lebens. So ward der Mensch zu einem lebendigen Wesen."

Lassen wir uns einmal für einen Augenblick in die Welt der Sufis entführen, dann finden wir dort folgende Überzeugung vor: "Wenn ein Kind geboren wird, beginnt es nicht sofort zu atmen. Einige sagen, daß es der Schock der kalten Luft ist, durch den das Kind zu atmen beginnt. Aber das geschieht nicht in allen Fällen ... Wenn Er seine Erlaubnis nicht sendet, dann kann auch noch so viel schlagen oder technologischer Aufwand das Baby nicht dazu bringen, daß es atmet." (Moinuddin)

Die Sufis sind also der Ansicht, daß zunächst eine Erlaubnis Gottes bestehen muß, bevor menschliches Leben erweckt werden kann. Hier gilt der Atem als Mittler zwischen dem Schöpfer und dem Menschen. Die göttliche Essenz gießt sich als Lebenskraft auf den Menschen aus. Der Atem übernimmt das weiterleiten (bzw. Erwecken) dieser wunderbaren Kräfte zu den verschiedensten Brennpunkten des menschlichen Geistes, des Leibes und der Seele. Der Atem fungiert hier als Träger der göttlichen Essenz des Menschen.

Gewähren wir uns noch gegen Ende dieses Kapitels einen Einblick in das Leben auf den Philippinen, dann treffen wir dort auf sogenannte Wunderheiler, die ihre eigene Atemkraft verwenden, um den schwerstkranken Menschen Leben einzuhauchen.

Beenden wir nun unsere kleine Weltreise mit einem Abstecher von den Philippinen nach China, dann begegnen wir der taoistischen Philosophie, die uns die Vorstellung von neun unterschiedlichen uranfänglichen Atemströmen übermittelt, welche nach und nach die Voraussetzung für alles Seiende geschaffen haben, indem sie sich auf eine ganz bestimmte Art ihren Weg bahnten, so daß sich allmählich ein Zusammenfluß ergeben konnte. So entwickelte sich der physische Raum.

In der Hoffnung, daß es mir gelungen ist, durch die Auswahl meiner aufgezeigten Gedanken, den kostbaren Wert des Atems zu vermitteln, möchte ich jetzt mit einem Erlebnis von C. G. Jung meine kulturellen Ausflüge zum Abschluß bringen. Ein Erlebnis von C. G. Jung bei den Eingeborenen auf Mount Elgon in Ostafrika:

"Jeden Morgen in der Dämmerung verlassen sie ihre Hütten und hauchen - oder spucken - in ihre Hände, die sie dann den ersten Sonnenstrahlen entgegenstrecken, als ob sie ihren Atem oder ihren Speichel dem aufgehenden Gott darbringen wollten ... Als ich sie nach dem Sinn dieser Handlung fragte, konnten sie mir nur sagen: 'Wir haben es immer getan, immer bei Sonnenaufgang.'" (C. G. Jung, "Gesammelte Werke, Bd. 8, S. 378)

Wie können wir - wir westlichen Menschen - wieder Geist, Seele und Leib verbinden, unser Eins-sein erfahren? Können wir Rituale anderer Völker bedenkenlos hier übernehmen? Ich bezweifle, daß wir uns so tief in die Eigentümlichkeiten fremder Kulturen einlassen können, um ein erbauendes Wachstum zu erlangen. Mir ist es wichtig, aus unserer eigenen Kultur heraus Brücken zu schlagen (einen uns angemessenen Weg zu finden, den Tag zu begrüßen mit Hilfe des Atems - ähnlich wie die Eingeborenen von Mount Elgon). Wenn wir unsere Herkunft annehmen und unsere Wurzeln neu aufsuchen, dann ist immer noch Platz, uns durch das Erbgut fremder Kulturen bereichern zu lassen. Der Erfahrbare Atem, wie ihn Ilse Middendorf lehrt, schenkt uns die Möglichkeit, zu unseren Quellen des Lebens zurück zu finden auf eine - wie ich meine - natürliche Art und Weise.

(Fortsetzung folgt)

 

Cornelia Prana-Killing

Neutsch 87

64397 Modautal

Telefon:  06167-291

E-Mail: prana@anandaprana.de

Website: www.anandaprana.de




Autor des Artikels und inhaltlich verantwortlich:
Cornelia Prana-Killing

Datum des Eintrags: 06.06.10  

Fachbeiträge sind von dem Autor verfasst und unterliegen dem Urheberrecht.









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