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Cornelia Schenk

Wenn das Herz schwer wird… Das broken heart syndrome und die Antwort der Logotherapie

Mir wird alles zu viel, es wächst mir alles über den Kopf, ich bin nur noch gestresst... Dieses Gefühl haben immer mehr Menschen. Frau E. kommt mit allen Anzeichen eines Herzinfarktes ins Krankenhaus. Sie leidet Todesangst. Aber seltsamerweise findet man keine körperlichen Anzeichen dafür. Das Herz als Organ ist gesund ist, nur seine Funktion ist gestört. Auf Nachfragen, was sie letzter Zeit alles erlebt habe, sagt die Patientin, auf dem Höhepunkt einer Mobbingaktion sei ihr gekündigt worden. Offensichtlich hat diese emotionale Stresssituation das Aussetzen der Herzfunktion bewirkt.

Mit anderen Worten, wenn wir das Gefühl haben, dass unser Herz vor Sorgen oder Kummer fast zerspringt, dann leidet auch unser Körper und produziert wie verrückt Stresshormone, die das Herz wie eine Sturmflut überschwemmen und es regelrecht betäuben. Das Herz ist nicht mehr in der Lage, seine vollständige Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Die Mediziner sprechen dann von einem broken-heart-syndrome, einer Herzneurose oder funktionellen Herzstörungen. Ein Kardiologe hat mir erzählt, dass er dieses Phänomen immer häufiger habe. Eigentlich kein Wunder in Zeiten der Krisen und Unsicherheiten.

Ich weiß nicht, ob es Zufall ist oder die Medizin ihre poetische Ader entdeckt hat, auf jeden Fall fand ich, dass dieser organmedizinische Fachausdruck broken-heart-syndrome auf eine anrührende Weise das Leiden des modernen Erfolgsmenschen erfasst hat. Ein zerbrochenes Herz ist nicht nur eine Krankheit, sondern symbolisiert auch den menschlichen Leidensdruck. Denn wenn wir leiden, dann spüren wir das am stärksten in unseren Herzen, dem Sitz unserer Gefühle und es fühlt sich an, als ob unser Herz bricht oder still steht.

Mir geht es in diesem Artikel also nicht um die enge medizinische Indikation des broken heart syndromes. Wenn ich vom gebrochenen Herzen spreche, dann meine ich damit, menschliches Leiden all seinen Facetten. Und damit komme ich zu meiner Thema-Frage : Welche Antworten kennt die Logotherapie, wenn das Herz uns schwer wird?


Die psychosomatische Ebene: Gebrochene Herzen

Wenn Menschen leiden, dann ist das immer ein Geschehen, dass Körper und Psyche in Mitleidenschaft zieht. Beide Bereiche sind so eng miteinander verbunden, dass ein kranker Körper sich auf die Seele und umgekehrt seelisches Leid sich auf den Körper auswirkt. Affekt- und Immunlage bedingen sich gegenseitig. So hat man z. B. statistisch ermittelt, dass 50% aller Patienten mit einem Herzinfarkt ungewöhnliche emotionalen Turbulenzen vor dem Zusammenbruch hatten und 30 – 40% der Patienten nach einem Herzinfarkt depressiv werden.

Niemand von uns kann sich sicher sein, dass er von körperlichen Erkrankungen, seelischen Ängsten und Zwängen verschont bleibt. Und wenn ich radikal zu Ende denke, ganz sicher ist uns allen der Tod, der Körper und Psyche endgültig vernichtet. Wir empfinden das als eine enorme Kränkung unseres Selbstwertgefühls. Aber es ist unser menschliches Schicksal, das wir nicht ändern können. Auf den eng verbundenen Ebenen von Körper und Psyche können wir im Laufe unseres Lebens in so vielfältiger Weise Schmerzen und Leiden erfahren, dass uns im schlimmsten Fall im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinn das Herz bricht.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an Romy Schneider, die mit nur 42 Jahren starb. Man sagte an gebrochenem Herzen, weil sie den schrecklichen Unfalltod ihres Sohnes nicht verarbeiten konnte. Wir sagen von Menschen: der nimmt sich alles so zu Herzen oder das liegt ihm schwer auf dem Herzen, das bedrückt sein Herz. Schon in diesen Sinnbildern zeigt sich die Gefährdung des Herzens.

Sein Leben lang hat er sich immer alles zu Herzen genommen, der Abteilungsleiter Dieter H., 49 Jahre. Dabei sieht er nicht so aus, als ob ihn etwas aus der Bahn werfen kann. Sportlich trainiert, selbstsicheres Auftreten. Doch vor Wochen hat ihm sein Unternehmen wegen Rationalisierungsmaßnahmen gekündigt. Herr H. lässt sich nichts anmerken. Nein, er hat sich nicht geärgert, er war nicht gekränkt, dass er nach 15 Jahren wegrationalisiert wurde in einem Alter, wo es schwer ist, noch eine neue Arbeitsstelle zu bekommen. Das war ja keine persönliche Schikane, sondern eben rational nachvollziehbar. Er findet eine neue Stelle mit weniger Gehalt und nicht mehr seiner Qualifikation entsprechend, also ein deutlicher beruflicher Rückschritt. Aber Her H. sagt, er muss froh sein, das er etwas gefunden habe und im Grunde sei er froh, etwas kürzer treten zu können. Soweit, so gut. Doch was Herr H. neuerlich auch hat, sind Engegefühle in der Brust und ein flatterndes Herz. Der Organmediziner kann nichts finden. Er spricht von funktionellen Herzbeschwerden. Der Körper ist – noch – gesund. Damit hat der Arzt seine Kompetenzen auf der körperlichen Ebene ausgeschöpft und er schickt Herrn H. zum Psychotherapeuten. Denn offensichtlich liegt ein seelisches Leiden vor. Der Psychologe diagnostiziert, eine Aggressionsgehemmtheit. Herr H. findet nur schwer Zugang zu seinen Gefühlen und kann sie nicht zeigen. Er ist leicht verletzlich und gekränkt, hat aber keine Wahrnehmung für diese Empfindungen. Dieses Fallbeispiel zeigt, dass wir seelische Probleme oft als körperliche Störungen wahrnehmen. Der moderne Mensch verliert immer mehr den Zugang zu seinen inneren Räumen, zu seinem Gefühlserleben. Statt auf die Stimme seines Herzens zu hören, beschäftigt er sich lieber mit dem vermeintlich organischen Herzproblem.

Herr H. ist der klassische Patient für die Psychosomatik, für die Psychokardiologie. Seine Geschichte zeigt, dass das Herz nicht nur ein Pumpmuskel ist.


Die geistige Ebene: aus ganzem und vollem Herzen

An dieser Stelle liegt es mir nun am Herz, Ihnen ans Herz zu legen, dass unser Dasein von einer weiteren Dimension bestimmt wird, die uns erst zu ganzheitlichen Menschen macht, die über die Grenzen der psychophysischen Naturgesetzlichkeiten hinausweist und die wir Logotherapeuten die geistige Ebene nennen. Hier ist die eigentliche humane Dimension des Menschen anzusiedeln, sein ureigenes Wesen.

Wenn ich das Wort Geist in den Mund nehme, dann geht es nicht um dubiose Esoterik, Geister, Löffel verbiegen oder Geisterbeschwörungen. Wenn ich die geistige Person in uns allen anspreche, meine ich schlicht unsere innere Wahlfreiheit, sich zu dem Geschehen auf der körperlichen und seelischen Ebene einzustellen und unsere schöpferische Gestaltungskraft, sich so oder so zu verhalten. Der Punkt ist heutzutage, dass der Mensch immer mehr reduziert wird auf Objektivierbares und Messbares. Die subjektive Person, das heißt die geistige Person ist niemals messbar oder berechenbar. Sie aber ist es, die Würde und Wert eines jeden Menschen begründet.

Wenn wir unseren Blick nur auf die psychosomatische Ebene richten, besteht die Gefahr, den Menschen in seinen Nöten zu verdinglichen, zu objektivieren. Sein einmaliges inneres Erleben, das oft schwer mitteilbar und noch weniger in Kategorien zu pressen ist, wird in den Naturwissenschaften nicht besonders ernst genommen oder sogar abgewertet. Wir vertrauen dem Beobachtbaren, dem Messbaren dem Objektivierbaren mehr als unserem ureigenen seelisch-geistigem Empfinden. Strenge Neurowissenschaftler und Empiriker rümpfen die Nase: Was soll das sein der Geist?, fragen sie und verwechseln ihn mit unserem Gehirnbewusstsein, mit unserem Verstand und unseren Denkfähigkeiten. Und doch reagieren wir auf diese zunehmende Rationalisierung mit seelischem Unbehagen, mit steigenden Seelenhunger.


Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…

Der Wiener Arzt Viktor E. Frankl (1905 – 1997), Begründer der Logotherapie, hat zur Erläuterung der geistigen Person ein Bild aus der Geometrie verwendet. Für die geistige Dimension wählte er Zylinder, Kegel und Kugel. Doch was passiert, wenn ich diese Figuren auf die darunterliegende psychosomatische Ebene projiziere? Sie sehen nur noch Kreise und im Grunde eine mehrdeutige Situation. Wenn ich höher und weiter über meinen Tellerrand hinaussehe und die geistige Ebene des Menschen berücksichtige, dann kann der Kreis Zylinder, Kegel oder Kugel sein.

Doch die heutige Naturwissenschaft nimmt die Kreise als eindeutig. Der Kreis ist nicht mehr als nur ein Kreis. Und analog dazu ist der Mensch nicht mehr als nur eine Ansammlung von Nervenzellen, als nur eine biochemische Reaktion. In dieser subhumanen Ebene des Kreises wäre der berühmte russische Romancier Dostojewski nichts als ein Epileptiker oder Bernadette Soubirous, durch deren Erscheinungen Lourdes zu einem internationalen Wallfahrtsort wurde, nichts als eine Hysterikerin mit visionären Halluzinationen.

Wenn wir dieses kleinkarierte Menschenbild ablehnen, müssen für jeden Therapeuten, aber auch für uns alle diese Kreise mehrdeutig bleiben, bis sie transparent werden auf etwas anders hin, dass dahinter, dass darüber stehen mag. Denn in der dritten Dimension, in der eigentlich humanen liegt die künstlerische Leistung des einen und die religiöse Begegnung der anderen. Hier ist erst von Ganzheitlichkeit zu sprechen. Hier ist die subjektive Person in ihrer Einzigartigkeit und Einmaligkeit abgebildet. In dieser geistigen Ebene, in dieser Höhendimension, die die empirischen Psychologie hinter sich lässt, bleibt das Geheimnis menschlicher Existenz geborgen und aufgehoben.

So wie Frankl menschlichen Geist geometrisch ausdrückt, fasst ihn Max Frisch in Worte: Wenn wir müde geworden sind, das Geheimnis und das erregende Rätsel, das der Mensch ja immerhin ist, auszuhalten, machen wir uns ein Bild von ihm. Das ist das Lieblose, das ist der Verrat. Unsere Meinung, jemanden zu kennen, ist das Ende der Liebe.

Sehen Sie und damit schließt sich der Kreis. Das Herz ist der Sitz der Liebe, so haben es Menschen schon immer empfunden. Lieben und geliebt werden… gibt es ein stärkeres Herzmittel als die Liebe? Diese Liebesfähigkeit gründet aber immer schon im geistigen Bereich menschlichen Seins.





Autor des Artikels und inhaltlich verantwortlich:
Cornelia Schenk

Datum des Eintrags: 26.04.11  

Fachbeiträge sind von dem Autor verfasst und unterliegen dem Urheberrecht.









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