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Cornelia Schenk

Psychosomatik und Logotherapie

Die auf Psychosomatik spezialisierten Kliniken mit Konzepten für Psychokardiologie und Psychoonkologie haben lange Wartelisten. Braucht es da überhaupt noch eine Logotherapie? Körperliches Leiden muss mit Mitteln der Medizin behandelt werden, psychische Leiden mit Mitteln der Psychotherapie. Müsste das nicht reichen und der Mensch dann nicht wieder funktionieren? Das ja, aber ist er heil ? Hat er sich  nun ein Herz gefasst?


Die fatale Überbewertung der Psychosomatik

Frankls kritische Einstellung zur Psychosomatik möchte ich doch als immer noch aktuell aufgreifen. Bei Psychosomatikern wie Dahlke und Co können wir wie in einem Lexikon fein säuberlich aufgelistet für jedes erkrankte Organ die psychische Fehlhaltung nachschlagen, wenn der Fingernagel brüchig ist, im Knie Athrose nistet, graue Haare, Schuppen oder Juckreiz zu beklagen sind. Ich nenne das das Dahlke Phänomen, diese fatale Neigung, die Psychogenese über zu bewerten.

Rüdiger Dahlke hat mit seinem Buch "Krankheit als Sprache der Seele" einen regelrechten Boom ausgelöst, jede körperliche Krankheit psychogen zu interpretieren. Hinter jedem kranken Zehennagel weint eine gestörte Seele bitterlich. Der Körper wird zum Schlachtfeld seelischer Störungen. Und es ist mir ein großes Anliegen in diesem Zusammenhang an Sie zu appellieren, nicht in diese Falle zu tappen, egal ob es sich um Sie persönlich handelt oder um die Erkrankung eines anderen. Auch wenn Sie Experten geworden sind in den psychosomatischen Wechselwirkungen eines Krankheitsgeschehen. Lassen sie ihre Weisheiten zu Hause. Widerstehen Sie der Versuchung im Dahlke zu blättern, um Bescheid zu wissen.

Mir ist im klinischen und psychotherapeutischen Bereich aufgefallen, dass Angehörige und Freunde nur zu gern aus ihrem psychologischen Fundus schöpfen und kluge Bemerkungen machen in etwa so: man solle sich doch jetzt vor allem um seine seelischen Defizite kümmern, die das Herzrasen ausgelöst haben, die den Krebs groß gezüchtet haben. Wir werten den Patienten in seiner Einmaligkeit ab, es hat etwas absolut Liebloses jemanden auf sein psychisches So Sein zu reduzieren.

Anstatt Unterstützung zu bieten, den Blick auf Freiräume zu lenken, treibt man den Patienten in noch mehr Schuldgefühle und Grübelzwänge. Sie können davon ausgehen das dieser schon genügend sinniert über die Frage: Warum musste mir das passieren? Was habe ich falsch gemacht? Ist es meine Schuld? Hätte ich gesünder leben sollen?

Er hat vermutlich auch Dahlke und Co gelesen. Jetzt ist er nicht nur krank, sondern auch ein Versager in Sachen erfolgreicher Lebensführung. Wenn wir also jemanden helfen wollen in seiner Herzensnot und- angst, dann bezähmen wir besser unsere psychologische Interpretationskunst, auch wenn unsere Gedanken noch so stimmig sind. Bleiben wir beim logotherapeutisch geprägten Menschenbild.


Kein Strafregister für seelische Fehlhaltungen!

Der Mensch als Subjekt, ist nicht messbar, nicht berechenbar, er geht nicht auf in Versuchsanordnungen und Statistiken und er ist eine heile geistige Person. Er ist immer mehr als sein Leiden. Dahlkes Bücher dagegen lesen sich wie ein Strafregister für seelische Fehlhaltungen.

Es gibt sie nicht, die Krebspersönlichkeit oder die Herzpersönlichkeit. In keiner Studie konnten sie gefunden werden. Wenn mich heute eine Krebsdiagnose träfe, was könnte ich anfangen mit der psychodynamischen Behauptung: ich betreibe unbewussten Selbstmord aus einem Schuldkomplex heraus?

Und genau da setzt Frankl mit seiner Kritik an. Für ihn geht die psychosomatische Medizin nämlich nicht auf die Frage ein, warum bestimmte Konflikte und Komplexe bei dem einen eine Erkrankung auslösen, nicht aber bei anderen. Im Laufe des Lebens haben wir im Grunde alle zusammen immer dieselben Konflikte und Komplexe, die uns drangsalieren. Also müssten alle erkranken. Zum zweiten bleibt die Frage offen, warum der betreffende Patient daraufhin ausgerechnet an dieser Krankheit erkrankt?

Mit Frankl zu sprechen, hat ein recht verstandene Psychosomatik eine psychohygienische und präventive Funktion. Denn warum schafft es z. B. jemand über seine biologischen Verhältnisse zu leben, das Leiden aufzuschieben, weil da noch eine Aufgabe zu erfüllen ist? Das heißt, es wäre besser, wir kümmern uns um jene psychische Faktoren, die uns gesund bleiben lassen. In diesem Sinn kann man von psychosomatischer Gesundheit sprechen. Was uns in den Herzinfarkt treibt, das hat die psychosomatische Forschung gut belegt.

Aber die interessantere Frage ist doch: warum bleibt der eine trotz gleicher seelischer Belastung gesund und welche gesunden Kräfte in seiner Psyche verhindern die Krankheit? Gewiss auch Frankl sieht in der Krankheit einen Sinn, aber nicht da, wo die psychosomatische Forschung ihn sucht, nämlich im neurotischen Fehlverhalten. Die Psychosomatik kümmert sich darum, warum einer leidet, die Logotherapie will den homo patiens unterstützen in seinem Wie des Leidens. Sie hält die Warum-Frage für Energieverschwendung, denn niemals hat Gott oder das Leben es für nötig befunden, uns eine Antwort zu schicken.

Vielmehr ist es so, dass uns das Leben Fragen stellt: Was willst du anfangen mit dieser Katastrophe, wie wirst du dich verhalten? Und wir müssen Antworten finden auf das Krankheitsgeschehen. Wenn das Herz schwer ist…dann erscheint mir die psychosomatische Therapie ein äußerst notwendiger, aber nicht ausreichender Reparaturbetrieb zu sein.


Vom Eigenwert des Körpers

Wir sind heute schnell bereit, wie ich eben erwähnte, die psychischen Anteile einer körperlichen Erkrankung über zu bewerten, ja sogar als einzige Erklärung gelten zu lassen. Bis wir dann selber krank sind, dann empört es uns, dass man uns festnagelt auf Deutungsmuster für charakterliche Schwächen. Wir fühlen uns wie bloßgestellt und durchschaut, reduziert auf das Falsche in uns, das nun ausgerottet werden muss.

Nicht jeder Herzinfarktpatient ist depressiv durch sein Leben geschlichen. Nicht jedes durchgebrochene Magengeschwür entlarvt den fordernden oralen Charakter nach Freud. Deshalb muss es laut gesagt sein zur Entlastung aller, dass die Logotherapie nicht immer alles nur psychisch ausgelöst oder begründbar sieht. Es gibt auch primär körperliche Schwachstellen und Störanfälligkeiten. Es ist nun einmal die schicksalhafte Bedingtheit des Menschen, dass seine Körperzellen entarten und seine Gene verrückt spielen können. Wir haben es nicht in der Hand. Wir wissen wenig von unseren stumm dienenden inneren Organen (die wir doch selbst sind). Vielleicht ergräbt eines schon insgeheim unseren Untergang. Der Körper hat seinen eigenen Wert.

Solange wir hier auf dieser Erde sind, haben wir kein andere Möglichkeit, mit der Welt in Kontakt zu kommen als mit den sinnlichen Mitteln des Körpers. Schon kleinere Funktionsstörungen können ausreichen, dass unser Geist in diesem hochsensiblen Organismus nicht mehr sichtbar und wirksam werden kann, aber auch z. B. eine Demenz, Schizophrenie usw. Wir Menschen sind eben keine körperlosen Geistwesen, sprich Engel. Nicht umsonst gibt es die sprachliche Einheit: mit Leib und Seele.

Wenn unser Körper versagt, merken wir, wie sehr ein Leben in Sinnerfüllung und Willensfreiheit von ihm abhängt. Er ist der Wohnsitz unseres Geistes und nicht der Wurmfortsatz unserer Psyche. Tun wir dem Leib Gutes, wie Teresa von Avila sagt, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen. Dann lacht uns das Herz im Leib.


Tröstende Worte

Wir haben gesehen, dass die Psychosomatik an Grenzen führt. Jede Methode, auf psychosomatischen Terrain zu heilen, verliert dann ihre Legitimation, wenn sie die geistige Dimension außer Acht lässt. Ich weiß, dass oft in der Praxis, die Dinge nicht so einfach zu handhaben sind. Der Geist weht, wo er will und manches Mal entzieht er sich uns. Die Patienten sagen mir: ich habe sie schon verstanden und ich zweifle nicht daran, aber ich bin zu schwach, meine Herz ist zu kaputt, zu traurig, ich schaffe keine Einstellungsänderung, ich kann keine Ruhe finden.

Dann ist es mir wichtig, zu vermitteln, dass man die Trotzmacht des Geistes nicht erzwingen und ertrotzen muss. Es wäre schon ein Anfang, nur zu hoffen, zu glauben und zu vertrauen, dass es Hilfe geben wird. Die einen nennen es Zufall, die andern Gott. Hoffnung, Glaube und Vertrauen sind uns innewohnende Geisteskräfte. Damit sie fließen können, braucht es oft Worte, die das Herz bewegen, wenn ich wieder einmal nicht in der Lage bin, über meinen Tellerrand hinauszusehen. Suchen Sie sich Gedanken, Gedichte und Geschichten, die Sie trösten.

Wie zum Beispiel das Gebet von Charles Pegúy. In einer Zeit, in der bald jeder über Schlaflosigkeit klagt, beherzigen Sie es als Einschlafhilfe:

Schlaf
Wer nicht schläft, den mag ich nicht, sagt Gott.
Ich rede von denen, die arbeiten und nicht schlafen.
Ich bemitleide sie. Ich werfe es ihnen vor.
Ein wenig zumindest.
Weil sie mir nicht trauen.
Sie haben den Mut zu arbeiten.
Aber es fehlt ihnen der Mut, faul zu sein.
Sich auszustrecken. Sich auszuruhen. Zu schlafen.
Die armen Leute, sie wissen nicht, was gut ist.
Wer nicht schläft, glaubt nicht an die Hoffnung.
Sie gehen am Tag sehr sorgsam ihren Geschäften nach.
Aber sie vertrauen mir nicht, dass ich mich nachts um sie kümmere.
Als ob ich nicht in der Lage wäre, mich eine Nacht um sie zu kümmern.
Ein Sprichwort der Menschen sagt:
Was du heute kannst besorgen,
das verschiebe nicht auf morgen.
Und ich sage dir:
Verschiebe auf morgen die Sorgen und Probleme, die heute an dir nagen...
Verschiebe auf morgen die Tränen, die dir in die Augen treten
und dir über die Wangen laufen,
die Tränen, die über deinen Wangen strömen,
weil zwischen dem Heute und dem Morgen vielleicht ich, Gott,
deinen Weg kreuzen werde.
Gott spricht: Gesegnet sei der, der alles auf morgen verschiebt.
Das heißt gesegnet sei der, der hofft und der schläft.

Ich halte es für ein wunderbares Gebet, um geschwächte Herzen zu trösten und zu beruhigen. Denn unruhig ist unser Herz , bis es ruht in dir, sagt Augustinus. Und falls Ihnen dieses Gedicht nahe geht, kann es daran liegen, dass es Sie bis ins Herz trifft.

Und ich mag die Begebenheit, die Katharina von Siena uns aus Ihrem Leben hinterlassen hat. Martin Buber hat sie beschrieben in seiner Sammlung Mystische Weltliteratur. Als Katharina von Siena Gott bittet, dass er ihr das eigene Herz und ihren eigenen Willen nehmen solle, - moderner ausgedrückt, würden wir sagen den Egoismus- , da erschien ihr Gott, nahm ihr Herz aus der linken Seite und sie blieb ohne Herz zurück. So lebte sie nach ihrer Überzeugung ohne Herz weiter. Was ja eigentlich menschenunmöglich ist. Doch kennen wir alle den Begriff Herzlosigkeit. Nach einiger Zeit erschien ihr der Herr wieder und in seinen Händen trug er ein rötliches und leuchtendes Menschenherz. Er öffnete Katharinas Seite, legte jenes Herz, das er in seinen Händen trug, hinein und sprach: siehe wie ich dir am andern Tag dein Herz genommen habe, so gebe ich dir jetzt mein Herz, mit dem du fortan leben wirst. Was für ein befremdlicher und doch trostvoller Text für unser aufgeklärtes Herz.


Von der Trotzmacht und der Trostmacht des Geistes

Aber nur Trost spenden, ohne dass ich im Hinterkopf die Absicht habe, die Trotzmacht des Geistes zu aktivieren, ist wie ein Papiertiger. Trost ohne Trotz kann leicht weinerlich werden. Und weil ich es nicht immer so genial wie Frankl schaffe, einem Patienten den geistigen Willen zum Sinn ins Bewusstsein zu rücken, greife ich gerne auf folgende Erzählung von Frau Lukas zurück: Frankl brachte einmal in eine seiner Vorlesungen eine Frau mit, die seit ihrer Jugend an multiplen Ängsten litt. Kontakte und Einladungen habe sie meist abgelehnt aus lauter Angst, sich zu blamieren. Frankl stoppte abrupt ihre Wortflut und fragte sie: Liebe Frau, wieso haben Sie jetzt keine Angst, sich zu blamieren? Die Studenten könnten sie doch auslachen wegen ihrer Skrupel und mich, den Professor könnten ihre Geschichten tödlich langweilen. Doch die Patientin ließ sich durch diese harten Worte nicht einschüchtern, sondern gab zur Antwort: Ich denke mir halt, wenn ich gesund werden will, muss ich das alles offen aussprechen. Frankl war es zufrieden, diese Antwort kam ihm gerade recht. Also wenn sie etwas intensiv wollen, fragte er sie zurück, dann müssen Sie ihre Angst überspringen, stimmt das? Müssen Sie das wirklich… ? Habe ich Sie dazu gezwungen, haben die Studenten Sie dazu gezwungen, sich über ihre Ängste hinwegzusetzen. Nein erwiderte die Patienten: ich tue es einfach und sie war selbst überrascht, was ihr da so selbstverständlich über die Lippen gerutscht war. Frankl strahlte die Frau an und fasste das Ergebnis zusammen: Wenn sie also etwas intensiv wollen, dann tun Sie es einfach, dann überwinden sie sogar jahrzehntelange Ängste…

Diese Geschichte verdeutlicht dem gekränkten Herzen eines Patienten eindrücklich folgendes: Es ist nicht der Therapeut, der die Patientin manipuliert und beschwatzt hat, ihre Ängste aufzugeben. Man selbst ist gar kein hilfloses Opfer, sondern in der Lage, seine Schwächen zu überwinden. Man kann ihnen trotzen. Wenn Sie denken, nichts geht mehr in meinem Leben, alles ist festgefahren, dann blitzt der Moment der Freiheit auf…., der Loslösung aus den Fesseln. Der Wille zum Sinn erweist sich stärker als alle psychischen Zweifel und Ängste… und zwar immer dann, wenn Sie in Ihrem Leben eine Herzensangelegenheit verwirklichen wollen.

Auch der Künstler Joseph Beuys zeigt uns, die dem Menschen innewohnende Geistes Haltung. Ihn führten immer neue Schmerzphasen seiner Herzkrankheit zu künstlerischen Neuanfängen. 1975 schrieb er auf einen Stuhl: zeige deine Wunden. Er distanzierte sich vom physischen Leid seiner Herzerkrankung und verwandelte sie in schöpferische Kraft. Notfalls leben wir auch ohne Herz, schrieb er.


Selbsttranszendenz

Allerdings darf man es mit dem Trotzen nicht übertreiben. Nur Trotz ohne Trost führt leicht zur Verbitterung. Dann sagen meine Klienten, schön und gut. Das mit dem Trotzen ist toll. Aber ich finde trotzdem keinen Sinn und keine Werte in meinem Leben. Es gibt immer ein ja aber…

An diesem Punkt muss man die Selbsttranszendenz zur Sprache bringen. Sie ist etwas Wunderbares und sie hat den Heilungswert für ein gebrochenes Herz schlechthin. Selbsttranszendenz bedeutet: ich bin außer mir, ohne verrückt zu sein. Nein, im Gegenteil paradoxerweise bin ich nie so ganz bei mir, so einig mit mir, so heilen Herzens, wenn ich ganz beim anderen bin. Dieses andere kann die Bewältigung meines Alltags sein, eine Liebe, eine künstlerische Betätigung, das Erleben von Natur und Kunst. Wir sind als Menschen so geschaffen, uns immer dann zu verwirklichen im besten Sinn des Wortes, wenn wir hingegeben sind an ein Du, eingestellt auf eine Aufgabe.

Die Gnade der Selbsttranszendenz liegt darin, seine Schattenseiten, seinen Kummer, seine Herzensunruhe, das Kreisen um seine Probleme und vor allem seinen Selbsthass, seine Minderwertigkeitsgefühle zu vergessen. Wir machen einen großen Fehler, wenn wir jene Art von Selbstverwirklichung anstreben, zu der uns Psychotherapeuten und Psychosomatiker ermuntern. Dann müssen wir uns ständig selbst beobachten und darüber nachdenken, ob wir uns auch verwirklichen, ob wir nicht zu kurz kommen, ob wir uns wohlfühlen, ob wir Lust haben, etwas zu tun und wie wir unsere Interessen gegen andere verteidigen können?

Das ist ziemlich erschöpfend und sorgt für psychisches Herzrasen. Agieren wir aber an uns selbst vorbei, agieren wir auf humorvolle Art und Weise an unseren Schwächen vorbei, nehmen unsere Bedürfnisse nicht so ernst und wenden uns stattdessen weltoffen dem Leben zu, dann erleben wir Sinnerfüllung, und diese ist das Heilmittel für gebrochene Herzen. Beherzigen wir Ovids Ratschlag: Gib deinem leeren Geist ein Aufgabe, die ihn packe. Nur wer sich verlieren will an eine Sache, der wird sein echtes Selbst gewinnen und ein starkes Herz haben.


Verantwortung

Es gibt einen alten Spruch, der besagt, dass die Kaffeetasse mit dem gebrochenen und wieder angeklebten Henkel am längsten erhalten bleibt. Ein bisschen erinnert mich unsere menschliche Existenz an diese Tasse. Irgendwie haben unsere Herzen alle einmal einen Sprung abbekommen. Wir begnügen uns aus der angeschlagenen Kaffeetasse zu trinken, aber mit griesgrämigen Herzen. Bejahen wir unsere geistigen Anlagen, die da sind Humor, Kreativität, Willensfreiheit, Gebet, Glauben usw. immer bewusster! Gewähren wir diesen Werten Gestaltungsspielräume in unserem Leben! Sie sind der Klebstoff, der zerbrochene Herzen kittet.

Die Heilkraft des Geistes, nun beweisbar ist sie nicht, aber sie ist eine Erfahrungstatsache. Dann nehmen wir die Sache in die Hand, dann haben wir es satt, aus der Tasse ohne Henkel zu trinken und wir kleben den Henkel an. Und der Kaffee schmeckt jetzt verdammt gut. Egal nun welchen Weg Sie einschlagen, um wieder von Herzen froh zu sein: Es ist gut, Hilfe anzunehmen. Jede Störung muss auf ihrer Ebene und mit jenen Mitteln, die in dieser Ebene zur Verfügung stehen, bekämpft werden. Ein Herzinfarkt etwa mit Betablocker auf der somatischen, eine seelische Störung mit Psychotherapie, vielleicht auch mit Medikamenten auf der psychischen Ebene, eine Sinnkrise mit Logotherapie auf der geistigen Ebene.

Aber das sind alles nur Anstöße und Hilfsmaßnahmen. Denn jetzt kommt der eigentliche Heilungsprozess. Sie nehmen selbst die Verantwortung in die Hand und geben die ihrem Leben sinngemäße Antwort. Es ist Ihr Leben und nicht das Leben der anderen! Dann finden Sie in Ihrem Herzen einen festen Standpunkt, von dem aus Sie immer wieder die Kraft haben werden, Einstellungen sinnvoll zu ändern, Freude zu erleben, und Leiden geduldig und gelassen anzunehmen.

Nach meiner Überzeugung befasst sich keine Therapierichtung so sehr mit der Überwindung der Leidfrage, mit dem homo patiens wie die Logotherapie und Existenzanalyse Frankls. Denn sie ist mutig genug, naturwissenschaftliche Grenzen zu überschreiten, sie pflegt eine Seelsorge, die sich nicht scheut, philosophische und ethische Themen einzubeziehen und an die geistige Existenz des Menschen zu glauben, die zwar störbar ist durch Krisen und Krankheiten, aber trotzdem des Menschen ewigen Wert und Würde begründet.

Die Logotherapie appelliert an die Weisheit Ihres Herzens, Ihr Leben zu bejahen, genauso, wie es ist und es zu gestalten, genauso, wie Sie es wollen. Ich möchte Ihnen die Logotherapie vor allem als eine Selbstheilungskraft ans Herz legen. Denn der beste Arzt, Psychotherapeut oder Logotherapeut kann Sie nicht heilen, wenn Sie es nicht wollen. Logotherapie heißt letztlich nichts anders als, sich dafür ein Herz zu fassen.

Der erste Schritt zu neuen Ufern ist sicher der schwerste, aber auch der entscheidende. Sonst geschieht eben nichts und alles bleibt beim Alten. Bleiben Sie nicht im psychischen Schmollwinkel stecken, wenn das Leben nicht so will, wie Sie es wollen. Das Leben ist nicht so gemacht, dass wir ihm Bedingungen stellen könnten, wir haben auf nichts Anspruch. Leider! Aber wir haben einen Anfängergeist und Begeisterung. Wie wunderbar! Plötzlich weißt du: es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen (Meister Eckhart) oder anders gesagt: Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben… (Hesse)

Hoffentlich fühlen Sie sich dann wie Mozart, der schrieb einst an sein Augsburger Bäsle: Mir ist so federleicht ums Herz...




Autor des Artikels und inhaltlich verantwortlich:
Cornelia Schenk

Datum des Eintrags: 26.05.11  

Fachbeiträge sind von dem Autor verfasst und unterliegen dem Urheberrecht.









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Kommentare

Maja 26-05-11 11:03
Dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen! Wunderbar geschrieben, Danke...

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