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Isabella Uhlmann

Imagination: Der Wert der Vorstellungskraft

„Der Wert der Imagination ist, durch Intuition und Intensität tiefreichendere Erkenntnisse zu gewinnen, als sie an der Oberfläche der Dinge zu liegen scheinen.“
John Ruskin


Imagination wird von Imago hergeleitet und bedeutet Bildnis, Abbild oder Vorstellung. Einfach ausgedrückt ist Imagination die Fähigkeit, sich im wahrsten Sinne des Wortes etwas vor – stellen zu können, hingegen ohne dass das ursprüngliche Objekt physisch auch tatsächlich anwesend ist. Es geht also um das Vermögen, sich im Wachzustand mit geschlossenen Augen Dinge, Situationen und Geschehnisse vorstellen zu können. Imagination bezeichnet  somit die menschliche  Vorstellungs –  und Einbildungskraft, die einem jeden innewohnt.

Die Ideen, respektive die inneren Bilder, die dieser Vorstellungskraft entspringen, gründen auf der Wahrnehmung der Welt durch unsere Sinnesorgane. Infolgedessen sind sinnliche Erfahrungen, also das Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten für das Arbeiten mit Imagination unerlässlich. Schliesslich nehmen wir durch unsere Sinne wahr, was aus der Umwelt auf uns einwirkt. Diese „Pforten der Wahrnehmung“ ermöglichen dem Menschen den Zugriff auf ein unendliches Reservoir  sinnlicher Erfahrungen der Welt, welche er in seiner Innenwelt frei neu gestalten, kombinieren oder einfach nur vergegenwärtigen kann.

Dank dieser schöpferischen Vorstellungskraft sind wir imstande die Welt mittels eines „Als-Ob-Modus“ ganz nach unserem Belieben gestalten. Somit können wir in unserer Vorstellung Dinge verändern, umgestalten und transformieren. Dabei lösen negative innere Bilder eher ein beklemmendes, einengendes und bedrohliches Gefühl aus, während positive ein leichtes und beschwingtes Gefühl hinterlassen, uns beflügeln und anspornen.

Die kognitive Forschung weiss heute, dass innere Bilder – und damit auch inneres Erleben –  die als „real“ erlebt und empfunden werden, tatsächlich Erlebtem gleichzusetzen sind.

Das Imaginieren impliziert viele Prozesse, die in ihrer Gesamtheit die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften anregen, ja gar benötigen. Alle Erfahrungen und Vorstellungen, also jedes innere Bild ist in unseren Synapsen als neuronales Erregungsmuster gespeichert. Je häufiger so ein Muster nun aktiviert wird, umso „stabiler“ wird es. Es ist vergleichbar mit einem kaum sichtbaren Trampelpfad, der sich, wenn er denn immer wieder begangen wird, zu einem richtigen Weg mausert.

Neue Wege zu gehen ist schliesslich Voraussetzung, wenn man etwas in seinem Leben verändern will. Anhand der Imagination können wir also solche neuen begehbaren Wege schaffen. Indes müssen alte Wege gesperrt werden, um alte Muster und Strukturen zu hemmen.

Äussere Bilder beeinflussen unsere innere Welt, sowie innere Bilder auf die äussere Welt zugreifen. Die innere Welt ist sowohl Ausdruck wie auch Abdruck der Aussenwelt, denn Erfahrungen und Kontakte mit Menschen beeinflussen und prägen in gewisser Weise unser Innenleben. Diese Bilder stellen also  eine Art Mittler zwischen dem Unbewussten und dem Bewusstsein dar und ermöglichen folglich die Kommunikation zwischen diesen beiden Bereichen. In unseren Innern Bildern bilden sich unbewusste Konflikte, Wünsche und Phantasien symbolhaft ab. Sie sind schlussendlich Botschaften des (kreativen) Unbewussten und  eignen sich somit Sprache der Seele zu sein. So werden Inhalte vermittelt.
Ähnlich verhält es sich mit Träumen und Märchen. Allerdings können Imaginationen (und Märchen) im Gegensatz zu Traumbildern willentlich gefördert und modifiziert werden.
Somit wird nach Verena Kast, Psychologin und Psychotherapeutin, ein „Raum der Freiheit“ geschaffen:

„Imagination, dies ist nicht nur jene außerordentliche Befähigung zu schöpferischer Gestaltung, sie drückt sich auch in unserer Vorstellungskraft, Phantasie und in unseren Tagträumen aus. Imagination ist ein Weg zur Wahrnehmung unserer inneren Bilder. Sie vermittelt zwischen Bewusstsein und Unbewusstem, Seele und Körper, geistiger und physischer Welt und ermöglicht so eine ausgewogenere, objektivere Sicht. Aus diesem Grund ist sie auch optimal bei Therapien einsetzbar: Imagination macht die Beziehung zu uns selbst und zu unserer Außenwelt erlebbar, setzt Energien frei, bereitet den Weg zu persönlichen Veränderungen und Grenzüberschreitungen.“ (aus: Imagination als Raum der Freiheit, ISBN 978-3-423-35088-4, Klapptext.)

Die gelernte und eingeübte aktive Imagination, so wie sie auch C.G. Jung verstanden hat, vermag durch den Kontakt mit dem Unbewußten sowohl unser Bewusstsein als auch unser Unterbewusstsein zu verändern. In diesem Sinne bedeutet sie ein ganzheitliches Leben und Vollzug innerer Freiheit.

Diese Bilder beeinflussen also unser Handeln und Fühlen, ja gar unseren Alltag. Die Unabdingbarkeit der inneren Bilder wird insbesondere dann ersichtlich wenn wir uns bewusst machen, dass allem von Menschenhand Erschaffenen - im positiven wie im negativen Sinne -  immer ein inneres Bild vorausging, eine Idee, die als Vor – stellung begann und in seiner Materialisierung  endet. Alles Erschaffene findet seinen Ursprung in der ihm zugrunde liegenden Idee, seien dies Gebäude, Erfindungen, Theorien, Organisationen, Mode, plastische Kunst, Literatur oder Musik etc.

Etliche klinische und praktische Untersuchungen, belegen die Effizienz der Imagination. Im Leistungssport beispielsweise wird diese Technik schon länger verwendet, um die Koordinationsfähigkeit der Sportler zu unterstützen und zu fördern.

An dieser Stelle sollen noch kurz die wichtigsten der zahlreichen imaginativen Verfahren erläutert werden.


Der Schamanismus
ist in der Heilkunde die älteste und weit verbreiteste Form von Imagination. Der Schamane setzt seine Vorstellungskraft zum Wohle seiner Gemeinschaft ein. Er „geht“ an einen Ort im Inneren der Erde und trifft dort seine Geistführer, welche ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen.


Das Katathyme Bilderleben
ist  ein 1954 von Hanscarl Leuner entwickeltes tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren. Heute nennt man es katathym imaginative Psychotherapie  (KIP). Kata kommt aus dem Griechischen und heisst übersetzt „gemäss“, während thymos Seele bedeutet. KIP ist kein subjektives, sondern ein projektives Verfahren. Ihre Grundlage ist das Arbeiten mit sogenannten Standartmotiven, die in Grund- Mittel- und Oberstufe eingeteilt werden. Die frei entstandenen inneren Bilder des Klienten können sich indes sehr schnell verändern und eine Eigendynamik entwickeln. Auf dieser Tagtraumebene zeichnen sich neben der aktuellen Befindlichkeit des Klienten auch dessen Wesenszüge, Verhaltensweisen und Ressourcen ab. Seelische Selbsthilfekräfte werden angeregt und schützende, kreative, aber auch neuordnende Prozesse unterstützt, wodurch auch blockierte Gefühle aufgearbeitet werden können.


Das autogene Training (AT)
wurde von Prof. Dr. med. Johann Heinrich Schultz vor über 70 Jahren entwickelt. Es handelt sich dabei um eine Tiefenentspannungsmethode, die auf Autosuggestion beruht. AT vermittelt die willentliche Beeinflussung des autonomen Nervensystems, das für die unwillkürlichen Körperfunktionen zuständig ist. Meistens wird es in kleinen Gruppen unterrichtet, und die Übungen können jederzeit selbst durchgeführt werden.

Das AT unterscheidet zwischen einer Unter- und einer Oberstufe. Die Unterstufe beeinflusst vor allem körperliche Vorgänge und dient vorwiegend der Entspannung. Sie beinhaltet Komponenten wie Schwere, Wärme, Atemwahrnehmungen etc.  In der Oberstufe geht eher um Selbsterkennung und das Auffinden von Ansätzen zur Problemlösung.  Die Oberstufenübungen, also die sogenannte Autogene Imagination,  verwenden – ähnlich dem katathymen Bilderleben – ebenfalls Motive wie „Haus“, „Berg“, „Wiese“ etc. Während dieser Autogenen Imagination taucht man in die Welt der inneren Bilder ein. Unangenehme Gefühle und Bilder werden wahrgenommen, jedoch – im Gegensatz zu der KIP, wo blockierte und / oder negative Gefühle und Erinnerungen  im geschützten Rahmen der Therapie aufgearbeitet werden – nicht vertieft, sondern bewusst losgelassen.
 

Die aktive Imagination wurde von C.G. Jung entwickelt. Sie könnte als kreativer Dialog  mit unbewussten Teilen unseres Selbst bezeichnet werden. Es geht weder um passives Wahrnehmung aus einem tranceartigen Zustand heraus, noch um eine Phantasiereise, vielmehr handelt es sich um ein aktives Wach-Träumen. Der Klient wird dazu aufgefordert loszulassen, seine Bilder fliessen zu lassen, wobei er die Kontrollfähigkeit seines bewussten Ichs dessen ungeachtet beibehält.

Dazu wird der Klienten in einen Entspannungszustand geführt. Ein Traum, eine wichtige Frage oder einfach die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit unterstützen ihn dabei, sich auf die auftauchenden Bilder einzulassen.  Fühlt er sich vom Geschehen oder vom Bild angesprochen, kann er aktiv in dieses Geschehen eintreten und auch handeln. Diese inneren Bilder mit ihren Emotionen und Affekten können ein Anregen innerseelischer Prozesse bewirken. Abgespaltene oder verdrängte Persönlichkeitsanteile kommen dabei ins Bewusstsein, wodurch sie  auch verständlich und integrierbar werden. Der Therapeut unterstützt den Klienten mit Anregungen, behutsamen Impulsen oder auch mit offenen Fragen.

Die aktive Imagination ist also mehr als nur eine Visualisierungstechnik, Jung nannte sie  gar phantasia vera (lat.: reale, wahrhaftige Erscheinung, Vorstellung). Sie soll uns helfen, unseren Lebenssinn zu finden und zu dem zu werden, wozu wir bestimmt sind.


Die Carl Simonton-Methode arbeitet mit Krebs– und Schwerkranken. Die Simonton-Methode bedient sich ebenfalls der Imagination: Der Patient visualisiert das Gesunde, das gut Funktionierende im Körper und stellt sich weiterführend vor, wie das Gesunde das Kranke (Krankmachende) besiegt. So werden Abwehrzellen beispielsweise bildlich zu Kraftmännchen oder mutigen Rittern, die im Körper voller Tatendrang unterwegs sind, um entartete Zellen, die unschädlich gemacht werden müssen, aufzuspüren. Simonton arbeitet nach dem Grundsatz, dass die Vorstellungskraft die vitalen Prozesse im Körper positiv beeinflussen können.

Imagination ist also die jedem Menschen innewohnende, schöpferische Vorstellungskraft,  durch welche eine Kommunikation des Unbewussten mit dem Bewussten möglich wird, was eine objektivere und unbefangenere Betrachtung seiner selbst ermöglicht. Durch diese dialektischen Verfahren kann das „Ich“ nicht nur in die Imagination eintreten, sondern je nach dem auch aktiv eingreifen und somit Veränderungen bewirken, wodurch sich neue Wege zeigen, die auch neue Perspektiven eröffnen und letztendlich in ein freieres, ganzheitliches Leben führen.

Dieser Artikel ist selbstverständlich nicht erschöpfend, er soll lediglich eine erste Idee über das  weitläufige Thema der Imagination vermitteln.




Autor des Artikels und inhaltlich verantwortlich:
Isabella Uhlmann

Datum des Eintrags: 17.05.10  

Fachbeiträge sind von dem Autor verfasst und unterliegen dem Urheberrecht.









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