clearTherapeutenverzeichnis thera online





Erfahren Sie mehr über Webdesign aus Hannover.




Webutation





Dr. Hans H. Rhyner

Esse und koch dich gesund oder: Ayurveda ist mehr als Curry

Irgendwo zwischen dem Kyberpass und Lahore feierte ich mit meinen Weggefährten Sylvester 1972 und überquerte den schwer bewachten einzigen Grenzübergang zwischen Indien und Pakistan. Plötzlich fiel die ungeheure Spannung von uns ab, die im rauen Bergland von Anatolien begonnen hatte, uns durchs persische Hochland bis eben jetzt begleitet hatte.

Es waren wilde Lande, die wir durchquerten. Sie hatten den Bewegungsspielraum von uns freigeistigen Blumenkindern stark eingeschränkt. Wir atmeten auf und nahmen den wunderbaren Duft Indiens in uns auf. Und es roch nach Freiheit und exotischen Curries. Die Kochkünste selbst in den einfachsten Raststätten entlang der Landstrassen, den Punjabi Dhabas, übertrafen alles, was mein Geschmackssinn bisher wahrgenommen hatte.

Meine Begeisterung für die indische Feinschmeckerei bleibt auch 36 Jahre später ungebrochen. Ich bin der letzte, der ein gutes indisches Essen verschmähen würde. Im Gegenteil: Wenn ich meinen Sohn und seine Familie in Bangalore besuche, freue ich mich auf die unübertrefflichen Kochkünste meiner Schwiegertochter. Aber vorher besorge ich mir in der Apotheke wohlweislich einen ayurvedischen Säureblocker, denn alle Ayurveda Granden sind sich einig, daß in Indien viel zu stark gewürzt und zu viel Öl verwendet wird. Zum Glück gibt es in der ayurvedischen Medizin viele wirksame Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel bei Übersäuerung des Magens, z.B. Amalaki Churna (getrocknete Amalaki Früchte) oder Shanka Bhasma (kalzinierte Muschelkalk).


Ayurveda-Wissen in den regionalen Alltags-Küchen

Ayurveda Gelehrte propagieren aber eine leichtere Variante des Essens, die sich der individuellen Konstitution, dem Lebensalter und der körperlich-geistigen Leistung, die jemand erbringen muß, orientiert. So gilt es, nicht die Fehler der populären indischen Küche, sondern die Essenz - die Kunst mit Gewürzen umzugehen - zu übernehmen. Und selbst wenn Sie wie ich den köstlichen scharfen Curries ab und zu nicht widerstehen können, dann tun wir das mit dem Wissen, dass ein Ausgleich möglichst unmittelbar stattfinden muss.

Auf dem indischen Subkontinent wie in Europa existieren unzählige regionale Alltags-Küchen. Sie orientieren sich an den in der Region kultivierten Grundnahrungsmitteln. Typische regionale Speisen bilden perfekt aufeinander abgestimmte Speisen. Wenn z.B. zwei zueinander passende Arten von pflanzlichen Proteinen zusammen gegessen werden, dann verbessert sich insgesamt ihr ernährungsphysiologischer Effekt.

Für Vegetarier ist dies von grosser Bedeutung, sind pflanzliche Proteine doch qualitativ kaum so hochwertig wie tierische. Das muss kompensiert werden, ohne dass die Vegetarier gezwungen sind, Berge von Linsen zu verspeisen. Deshalb werden in Indien Hülsenfrüchte (Dal) immer zusammen mit Reis oder Chappati (Fladenbrote) gegessen. Eine andere Möglichkeit ist, in die Linsensuppe (Dal) Nüsse zu geben.


Was Grossmutter noch wusste und was Convenience Food vergessen hat...

Im Süden von Deutschland und in der Schweiz werden Kartoffeln in Butterschmalz gebraten und mit Kümmel gewürzt. So geben die Kartoffeln nicht nur mehr her, auch ihr blähungsfördernder Effekt wird reguliert. Sauerkraut wird mit Wachholderbeeren und Kümmel gekocht, um hier Blähungen zu verhindern. Der Tomatensugo wird in Sardinien stundenlang mit einem Basilikum-Strauss umgerührt – und zwar nur im Uhrzeigersinn, um ihm die Säure zu nehmen. Wein wird in den traditionellen Weinregionen Europas nur mit Wasser und Brot eingenommen. Der Wein ist bekanntlich eines der besten Verdauungsmittel und wenn es nichts zu verdauen gibt, dann verdaut er halt den Magen. Brot und Wasser wissen, dies zu verhindern. Das sind nur einige Beispiele, wie bekömmlich und gesund Grossmutter’s Küche ist.

Die Speisen sind im Vergleich zur modernen Gastronomie, an der wir uns heute orientieren, schlicht. Da sie aus frischen saisonalen Zutaten und frisch zubereitet werden müssen, sind sie weder bei den häuslichen wie professionellen Köchen beliebt. Der Big Brother aller Big Brothers – die Nahrungsmittelindustrie – hat die breite Bevölkerung und Gastronomie weltweit auf Bequemkost (Convenience Food) eingeschworen. Als Vorteile werden folgende Argumente aufgeführt:

1. vergleichsweise geringer Arbeitseinsatz
2. Zeitersparnis
3. gleichbleibendes Qualitätsniveau
4. Saisonunabhängigkeit
5. Kostensenkung in der Gastronomie durch den Wegfall des Zubereitungsaufwandes
6. Portionierbarkeit

Dass diesen Vorteilen gewichtige Nachteile gegenüberstehen, ahnt der Konsument spätestens, wenn er die Werbeaussagen für Nahrungsergänzungsmittel oder funktionelle Nahrungsmittel (Functional Food) sieht, die notabene wissenschaftlich nicht belegt sind.

Dabei wird suggeriert, dass bei normaler Ernährung "etwas" fehle, nämlich genau das, was bei der industriellen Lebensmittelverarbeitung verloren gegangen ist. In anderen Worten: die Nahrungsmittelindustrie verkauft die Konsumenten gleich zweimal für dumm – zuerst verlangt sie viel Geld für die Bequemkost und dann für die funktionellen Nahrungsmittel!

Der lachende Dritte ist die Gesundheitsindustrie, welche die kranken und schlappen Menschen irgendwie wieder auf die Beine kriegen soll. Wäre es da nicht einfacher, wir brechen aus diesem Teufelskreis aus und besinnen uns auf herrlich wohlschmeckende einfache Kost aus der Region?

Die Emanzipation der Esserinnen und Esser ist angesagt. Der Aufwand, den Sie für Slow Food, das für genussvoll, fair und regional steht, betreiben müssen, zahlt sich unmittelbar, mittel- und langfristig durch mehr Lebensfreude, Vitalität und Immunität aus. Das liegt perfekt im Geist von Ayurveda.

Om Tat Sat




Autor des Artikels und inhaltlich verantwortlich:
Dr. Hans H. Rhyner

Datum des Eintrags: 01.03.12  

Fachbeiträge sind von dem Autor verfasst und unterliegen dem Urheberrecht.









thera online SUCHE

Therapieform, Name, Schlagwort
und/oder Ort, Stadt

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar schreiben

* - Pflichtfeld

*



*
*





© 2018 thera-online - Therapeutenverzeichnis Heilpraktikerverzeichnis Deutschland | Dr. Hans H. Rhyner  Esse und koch dich gesund oder: Ayurveda ist mehr als Curry