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Carlo G. Reßler

Bilder der Seele: Innere Heilung durch Tagtraumbilder

Dass Träume nicht einfach bloß 'Schäume' sind, wie der Volksmund es behauptet, gilt sogar wissenschaftlich schon lange als bewiesen. Denn unsere Träume sind tiefe Botschaften der Seele, kleine unbewusste innere Schätze, welche sich oft lohnen, entdeckt und an die Oberfläche gebracht zu werden. Dieser Tatsache wird bereits seit vielen Jahren in der analytischen Traumarbeit und anderen psychotherapeutischen Ansätzen Rechnung getragen.

Nur ist es für viele oft recht schwierig sich an die so bedeutungsvollen 'nächtlichen Schauspiele' richtig zu erinnern, das macht die tiefere therapeutische Deutung der Traumbotschaften häufig sehr kompliziert.


Tagtraumtechnik als therapeutische Hilfe

Ein Pionier der schon früh kreative Lösungen und neue Zugangswege für dieses Problem suchte, war der Psychoanalytiker Hanscarl Leuner (1918-1996). Bereits in den 1950iger Jahren untersuchte er die therapeutische Wirkung von sog. Imaginationen, den inneren Vorstellungsbildern, auf seine Patienten. Neben dem Einsatz von psycholytischen Substanzen (u.a. LSD) entwickelte er, aus der Arbeit der freien Assoziation von S. Freud, der Charaktertypuslehre nach E. Kretschmer und der aktiven Imagination nach C.G. Jung ein sehr effektives Verfahren, welches er seinerzeit 'katathymes Bilderleben' (KB) nannte. 'Katathym' kommt aus dem Griechischen und meint 'der Seele gemäß'.  
Heute ist diese bewährte und therapeutisch anerkannte Technik auch als katathym-imaginative Psychotherapie (KIP), oder Symboldrama ein Begriff. Die nachhaltige Wirksamkeit dieses speziellen Verfahrens wurde in wissenschaftlichen Studien mehrfach erfolgreich untersucht.

Was macht diese besondere Methode des geführten Tagträumens gerade in der heutigen Zeit so wertvoll für die therapeutische Arbeit? Im Gegensatz zu anderen Techniken wie der nächtlichen Traumanalyse, Fantasiereisen, oder der Oberstufe des Autogenen Trainings, bei denen der Klient erst im nachhinein von seinen inneren Erlebnissen berichtet, ist das KB ein Dialogverfahren, bei dem der Klient simultan zum Entstehen der Bildgefühle direkt von ihnen erzählt!

Ein katathymes Bild ist eine sehr plastische innere Imagination, die deutlich, dreidimensional, farbig und OHNE willentliche Anstrengung vor dem inneren, geistigen Auge entsteht. Der Klient befindet sich hierbei - nach gezielter Tranceeinleitung - in angenehmer Entspannung und kann frei über seine 'Träume' berichten. Diese inneren Bilder verbinden sich mit ein wenig Übung zu einer Art individuellem Film, dessen Bildfolge überaus lebendig und real wahrgenommen werden kann. Der Klient bewegt sich in diesen 'Bildern', kann dort Handlungen vollziehen und die Situationen gezielt positiv verändern; durch die sehr real erlebte Symbolkraft ist dieses Erleben auf seine konkreten Konflikte, Ängste, oder Traumata übertragbar. Ganz anders ist dies bei den meisten willentlichen angeleiteten Vorstellungen, die wir uns oft nur durch Anstrengung konstant vor Augen halten können und die auch in ihrer Intensität meist nur in geringem Maße lebendig erscheinen, sie haben daher oft nur eine begrenzte therapeutische Wirkung.

Durch das KB wird zudem besonders auch die rechte Hirnhälfte aktiviert, welche für Gefühle und Kreativität zuständig ist und bei den heutigen, meist analytisch orientierten Menschen leider oft nur noch ein kümmerliches Dasein fristet.


Inneres Kino mit heilsamer Wirkung

Auf der Ebene des beschriebenen symbolischen Tagtraumes werden Konfliktthemen im Unbewussten sanft aufgedeckt und können mit Hilfe eines geschulten Therapeuten erkannt und entsprechend bearbeitet werden. Der Klient kann durch diese Imagination eine deutliche 'Ich-Stärkung' erfahren und sich mit seinen Problemen neu und anders auseinander setzen. Zudem wird er meist kreative Lösungen für seine Symptome entdecken und für sich neue, richtungweisende Entscheidungen treffen können.

Aber auch ohne psychotherapeutische Absicht ist durch diesen Ansatz eine bedeutende Erweiterung des inneren Wahrnehmungs- und Erlebnishorizontes oft bereits nach wenigen Sitzungen möglich.

Das Katathyme Bilderleben nach Leuner ist eine klar strukturierte Methode mit  stufenweisem Aufbau. Sie besteht aus Grundstufe, Mittelstufe und der Oberstufe. In ihnen unterscheiden sich die verschiedenen - vom Therapeuten zu Beginn einer Sitzung eingestellten - Motive.

Von einfacheren und einleitenden Motiven, wie z.B. einer Wiese oder einem Fluss, können die Symbole sich in der Mittelstufe (z.B. das Meer) zur Oberstufe (die Höhle, oder auch wichtige Personen), bis hin zu konkreten, tief verdrängten Problemen aus der frühen Kindheit wandeln. Jedoch werden oft bereits mit den Motiven der Grundstufe überaus erfolgreiche Veränderungsprozesse bei vielen Klienten erreicht.

Die von Leuner speziell für das Verfahren der Imagination entwickelten Symbole haben tiefenpsychologische Bedeutung, können aber auch ohne therapeutische Deutung zu wertvollen freien Assoziationen führen und z. B. in reiner Coaching-Arbeit eingesetzt werden.

Die Grundstufe dieser Arbeit beinhaltet die Motive Wiese, Bachlauf, Berg, Haus und Waldrand. Die kreative individuelle Ausgestaltung dieser Motive durch den Klienten hat nach Leuner stets höchste Priorität in dieser Arbeit. Alle inneren Eingebungen zu den jeweiligen Motiven sind ausdrücklich erlaubt. Der Therapeut gibt lediglich das Grundbild vor und regt durch seine offenen Fragen die kreativ-bildlichen Vorstellungen und Stimmungen zu den jeweiligen Bildern beim Klienten an.

Manchmal ist es wichtig, auch den Dialog mit auftauchenden Tagtraum-Figuren anzuregen. Der Begleiter greift jedoch stets nur ganz am Rande in das jeweilige Bild- und Gefühlserlebnis des Menschen ein, er führt seinen Klienten in leichter Trance in das Bild hinein und am Ende sicher wieder in den Behandlungsraum zurück. Erklärungen oder Deutungen seitens des Begleiters gibt es in der Regel nicht – oder nur im nachhinein.

Es geht bei den eingestellten Bildern keinesfalls darum, Emotionen zu zerreden oder zu analysieren; sondern seitens des Klienten mit allen Sinnen und Gefühlen in die unbewussten Projektionen einzutauchen, die auftauchenden imaginativen Situationen eventuell umzugestalten um so vielleicht lange verdrängte Ich-Anteile wieder ins Leben zu integrieren. Somit lassen sich vielerlei Ängste oder innere Konflikte dauerhaft positiv wandeln.

Das symbolisch in einem angenehmen leichten Trancezustand z. B. eingestellte Bild eines Baches steht sinngemäß für folgende Bedeutung: Wasser besitzt stets eine sehr enge Beziehung zum Unbewussten und steht für den Lebensfluss und die Vitalität. Der Bach ist Ausdruck der fließenden seelisch-emotionalen Entwicklung. An das Motiv des Baches kann der Therapeut beispielsweise die Aufgabe stellen, das Wasser und das Ufer genau zu erkunden, oder zu befühlen und zu beschreiben; auch dem Bachlauf einmal am Ufer hin zur Quelle oder stromabwärts zum Meer zu folgen. Ängste und Konflikte in der emotionalen Entwicklung zeigen sich besonders in der Schwierigkeit der Lösung dieser Aufgaben, aber auch in Farb- und sonstigen Beschreibungen der Situation (sumpfiges Ufer, steinige Böschung, braunes, tiefes, modriges oder eiskaltes Wasser, etc.).


Einsatz bei vielerlei Symptomen möglich

Das katathyme Bilderleben hat einen recht breiten Anwendungsbereich. Es ist ein intensiv wirkendes, die tiefe Regression förderndes und oft sehr selbstkonfrontatives Verfahren, welches den Zugang zu individuellen Ressourcen eröffnet. Gezielt eingesetzt wird es häufig bei Kriseninterventionen und allen Formen neurotischer Entwicklungen sowie psychosomatischer Erkrankungen, gerade auch im Kindes- und Jugendlichenalter. Spezielle Erfahrungen liegen zudem bei der Behandlung von Essstörungen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen vor.

Die KIP hat sich auch als Paar-, Familien- und Gruppentherapie bewährt. Sie ist oft erfolgreich bei Patienten mit festgefügten Abwehrstrukturen, bei denen der Zugang zur Emotionalität gestört ist, auch bei einfach strukturierten und in der Innenschau (Introspektion) ungeübten Patienten. Es ist weiterhin hervorragend geeignet bei der Auflösung traumatischer Belastungen, zur Behandlung von Alltagskrisen sowie zur Begleittherapie bei Hautkrankheiten.

Gleichfalls als wirksam-alternativer Ansatz bei Stottern, Phobien, Wut, Hemmungen, schwach entwickeltem Selbstvertrauen und besonders bei Verhaltensstörungen von Kindern u. Jugendlichen. Es gibt darüber hinaus noch viele weitere Bereiche in Einzel- und Gruppenarbeit, in welchen das KB nach Leuner erfolgreich eingesetzt wird.


Fazit

Das katathyme Bilderleben ist es höchst effektives analytisches Therapie- und Coachingverfahren, jedoch völlig anders strukturiert als eine 'klassische Analyse'. Die Arbeit sollte jedoch nur von darin speziell ausgebildeten und erfahrenen Therapeuten begleitet werden.

Es geht in dieser Methode NICHT um das gewohnte kognitives Berichten und Reden über innere Konflikte; sondern diese Themen durch speziell entwickelte Symbole in der gezielt eingeleiteten Tagtraumarbeit, mit allen Sinnen und Emotionen innerlich neu und anders zu erleben. Belastende Situationen werden hierbei meist konstruktiv gewandelt. Diese unbewusste innere Wandlung zieht beim Transfer in die jeweiligen Lebenssituationen des Klienten meist überraschend positive äußere Verhaltens-Wandlungen nach sich!
Auf dieser Basis sind (Tag-)Träume keinesfalls Schäume, denn wer sie nicht mehr träumen kann, dessen Leben ist eintönig und grau!


Fachliteratur

Hanscarl Leuner:
Lehrbuch der Katathym-imaginativen Psychotherapie
(Hans Huber Verlag)




Autor des Artikels und inhaltlich verantwortlich:
Carlo G. Reßler

Datum des Eintrags: 22.03.10  

Fachbeiträge sind von dem Autor verfasst und unterliegen dem Urheberrecht.









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